Zum sechsten Jahrestag des rassistischen Anschlags von Hanau
Sechs Jahre nach dem rassistischen Terroranschlag in Hanau erinnert DIE LINKE Konstanz an die Opfer und mahnt politische Konsequenzen an. Bei der heutigen Gedenkveranstaltung erklärte Lars Hofmann, Sprecher der LINKEN Konstanz:
„Neun Menschen wurden am 19. Februar 2020 ermordet, weil sie nicht in das Weltbild eines Rassisten passten. Wir erinnern an neun Leben, neun Familien, neun Geschichten.“
Zugleich wies Hofmann darauf hin, dass mit dem Tod von Ibrahim Akkuş an den Spätfolgen des Anschlags ein weiteres Opfer zu beklagen sei: „Wir sprechen heute auch von einem zehnten Leben. Ibrahim Akkuş starb an den Folgen dieses Attentats – allein gelassen und isoliert. Das zeigt, dass rechte Gewalt lange Schatten wirft.“
Hofmann betonte, Hanau dürfe nicht als isoliertes Ereignis betrachtet werden. „Hanau war kein Einzelfall. Hanau steht in einer Kontinuität rechter Gewalt – von den 1990er Jahren über den sogenannten Nationalsozialistischer Untergrund bis in die Gegenwart.“ Staatliches Versagen bei der Aufklärung rechter Strukturen habe Vertrauen zerstört und müsse umfassend aufgearbeitet werden.
Mit Blick auf aktuelle politische Debatten kritisierte Hofmann eine Verschiebung des öffentlichen Diskurses: „Während rechte Netzwerke weiter existieren und rassistische Gewalt zunimmt, wird ernsthaft darüber diskutiert, antifaschistische Strukturen zu verbieten.“ Die Alternative für Deutschland fordere seit Jahren ein Verbot der ‚Antifa‘, Teile der Christlich Demokratische Union Deutschlands und andere konservative Kräfte griffen diese Narrative wiederholt auf. „Nicht Neonazis geraten ins Visier, sondern diejenigen, die sich ihnen entgegenstellen. Das ist eine fatale politische Prioritätensetzung.“
Antifaschismus sei kein Extremismus, sondern eine demokratische Selbstverständlichkeit. „Antifaschismus ist die historische Lehre aus der deutschen Geschichte. Wer ihn delegitimiert, verkennt diese Verantwortung“, so Hofmann weiter.
Abschließend machte er deutlich, dass Erinnern allein nicht ausreiche: „Es reicht nicht, Betroffenheit zu zeigen und ‚Nie wieder‘ zu sagen. Wer rechte Narrative normalisiert, trägt Mitverantwortung für das Klima, in dem rechte Gewalt gedeiht.“
DIE LINKE Konstanz fordere eine konsequente Bekämpfung rechter Strukturen, eine klare Abgrenzung von rassistischer Rhetorik im politischen Raum sowie eine Politik, die Solidarität und Schutz für Betroffene in den Mittelpunkt stellt.
„Wir trauern um die Ermordeten. Aber wir bleiben nicht beim Trauern stehen. Wir organisieren uns – nicht trotz Hanau, sondern wegen Hanau“, so Hofmann.

