Studie zeigt messbare Gesundheitsrisiken durch Pflegekräftemangel in Grenzregionen
Der Pflegekräftemangel in deutschen Krankenhäusern hat direkte und nachweisbare Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung. Das zeigt eine aktuelle Studie des ZEW Mannheim und des ifo Instituts. Besonders betroffen sind grenznahe Regionen zur Schweiz, in denen Krankenhäuser infolge der Abwanderung von Pflegefachpersonen rund zwölf Prozent ihres Personals verloren haben. Die Folge sind weniger Pflegezeit pro Patient, geringere Behandlungswahrscheinlichkeit und eine statistisch signifikant erhöhte Sterblichkeit, auch bei hochakuten Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Sepsis.
„Wenn hier eines klar wird, dann das: Pflegekräftemangel ist kein administratives Thema, sondern eine Überlebensfrage. Der Personalabfluss führt direkt zu höherer Sterblichkeit und geringerer Lebenserwartung, besonders bei älteren und Notfallpatienten“, erklärt John Löser, Rettungssanitäter aus Singen.
Die Studie zeigt zudem, dass in den betroffenen Regionen die Lebenserwartung stagniert, während sie im übrigen Bundesgebiet weiter steigt. Ursachen sind unter anderem reduzierte Behandlungsintensität und die faktische Priorisierung medizinischer Leistungen nach verfügbarer Personalausstattung.
Stella Merendino, Krankenpflegerin in der Notaufnahme und Mitglied des Deutschen Bundestages, sieht darin ein strukturelles Versagen der bisherigen Politik. „Wenn medizinische Versorgung nicht mehr konsequent nach Bedarf, sondern nach Personallage erfolgt, ist das ein Bruch mit dem sozialstaatlichen Versorgungsauftrag. Pflegepersonalmangel gefährdet Patientensicherheit und verschärft soziale Ungleichheit.“
Merendino fordert verbindliche, bedarfsorientierte Personalvorgaben und eine deutliche Verbesserung der Bezahlung in den Pflegeberufen. „Ohne ausreichend Pflegepersonal bleiben alle Reformen im Gesundheitswesen wirkungslos.“
„Wir am Bodensee spüren so ganz direkt, wie Marktlogiken in der Gesundheitsversorgung Menschen gefährden: Wenn Löhne und Arbeitsbedingungen nicht konkurrenzfähig sind, wandern Fachkräfte ab – und Patient*innen verlieren ihr Recht auf angemessene medizinische Versorgung“, so Löser abschließend.
