Pflege darf kein Luxus sein!
Die Linke im Kreis Konstanz fordert eine grundlegende Neuausrichtung der Pflegefinanzierung und mehr öffentliche Verantwortung für die Pflegeinfrastruktur.
Die Kosten für einen Pflegeheimplatz im Kreis Konstanz sind für viele Menschen nicht mehr tragbar. Wie aktuelle Zahlen zeigen, liegt der Eigenanteil in Konstanz teilweise deutlich über dem ohnehin hohen baden-württembergischen Durchschnitt. Im Pflegeheim Don Bosco werden beispielsweise mehr als 4.500 Euro monatlich als Eigenanteil fällig. Beim neuen Pflegeheim Weiherhof der Spitalstiftung liegt der Eigenanteil bei Pflegegrad 3 sogar bei knapp 5.000 Euro. Gleichzeitig kann inzwischen rund ein Drittel der Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohner im Landkreis ihren Platz nicht mehr aus eigenen Mitteln finanzieren.
„Dass Menschen nach einem langen Leben und nach jahrzehntelanger Arbeit damit rechnen müssen, ihr Erspartes aufzubrauchen oder ihr Eigenheim zu verkaufen, nur weil sie im Alter auf umfangreiche Pflege angewiesen sind, ist kein persönliches Schicksal – es ist ein politisches Versagen“, erklärt Lars Hofmann, Ko-Sprecher des Kreisvorstands der Linken Konstanz. „Pflege ist keine Luxusleistung und ein Pflegeheim kein privates Vergnügen. Wer Pflegebedürftigkeit zum Armutsrisiko macht, hat ein grundlegendes Problem mit dem Sozialstaat.“
Dabei wäre es zu kurz gegriffen, allein die Träger von Pflegeeinrichtungen für die hohen Kosten verantwortlich zu machen. Die Ursachen liegen in einem System, in dem immer größere Teile der Kosten bei den Pflegebedürftigen landen. Die Eigenbeteiligung in Baden-Württemberg ist zuletzt erneut massiv gestiegen: Zum 1. Juli 2026 lag sie im ersten Jahr eines Heimaufenthalts im Landesdurchschnitt bereits bei 3.657 Euro monatlich.
„Die Politik hat Pflege über Jahre nach dem Prinzip organisiert: Die Kosten steigen – und am Ende soll die pflegebedürftige Person die Rechnung bezahlen. Das ist der falsche Weg“, so Hofmann. „Gute Pflege kostet Geld. Aber die Antwort darauf kann nicht sein, Menschen im Alter für diese Kosten zur Kasse zu bitten, bis ihre Lebensleistung aufgezehrt ist.“
Gerade in Konstanz zeigt sich zudem ein zweites strukturelles Problem: Pflegeinfrastruktur ist Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge. Hohe Grundstücks- und Baukosten, fehlender Wohnraum und steigende Kosten für Personal und Sachleistungen treiben die Preise. Beim neuen Weiherhof machen die Investitionskosten nach Angaben der Spitalstiftung einen erheblichen Teil der Belastung aus. Während ältere Einrichtungen noch von einer öffentlichen Förderung ihrer Investitionskosten profitierten, müssen diese Kosten heute wesentlich stärker über die Bewohnerinnen und Bewohner finanziert werden.
„Es ist widersinnig, dass wir eine zentrale Infrastruktur für das Leben im Alter weitgehend über die Geldbeutel derjenigen finanzieren, die sie am dringendsten brauchen“, kritisiert Hofmann. „Wenn Pflege eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, muss auch ihre Infrastruktur gesamtgesellschaftlich finanziert werden. Ein Pflegeheim ist genauso Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge wie ein Krankenhaus, eine Schule oder der öffentliche Nahverkehr.“
Die Linke fordert deshalb eine grundlegende Reform der Pflegefinanzierung. Pflegebedürftige Menschen müssen bei den pflegebedingten Kosten deutlich stärker entlastet werden. Gleichzeitig braucht es eine dauerhafte öffentliche Finanzierung der Investitionskosten und eine solidarische Pflegeversicherung, in die alle Einkommen einbezogen werden. Die Pflegeversicherung darf nicht länger eine Teilkaskoversicherung sein, bei der das individuelle Lebensrisiko am Ende zum privaten finanziellen Risiko wird.
Zur gesamtgesellschaftlichen Verantwortung gehört für die Linke auch die Situation der Beschäftigten. Steigende Tariflöhne dürfen nicht gegen steigende Eigenanteile ausgespielt werden. Im Gegenteil: Gute Pflege braucht gute Arbeitsbedingungen, verlässliche Personalausstattung und eine Bezahlung, die der gesellschaftlichen Bedeutung dieser Arbeit entspricht. Der aktuelle Kostendruck zeigt vielmehr, dass gute Arbeit endlich als Voraussetzung guter Pflege verstanden werden muss.
„Wir brauchen keine Debatte darüber, wie Pflegekräfte billiger werden können. Wir brauchen eine Debatte darüber, wie Pflegekräfte gut bezahlt werden, ausreichend Zeit für Menschen haben und unter Bedingungen arbeiten können, die sie nicht aus dem Beruf treiben“, sagt Hofmann. „Wer gute Pflege will, muss gute Jobs schaffen. Und wer diese Jobs will, muss bereit sein, Pflege solidarisch zu finanzieren.“
Die Linke im Kreis Konstanz sieht im derzeitigen Finanzierungsmodell auch eine unangemessene Belastung für die ohnehin klammen Kommunen. Denn sie müssen Sozialhilfekosten übernehmen, wenn Menschen die Pflege aus eigener Kraft nicht mehr bezahlen können. Deshalb liege es in deren ureigensten Interesse, gemeinsam mit Land und Bund für eine bedarfsgerechte, wohnortnahe und öffentlich verantwortete Pflegeinfrastruktur sorgen.
„Es kann nicht unser gesellschaftliches Ziel sein, dass ein Mensch sich im Alter fragt, ob er sich die Pflege leisten kann oder ob er dafür sein Zuhause und seine Ersparnisse verliert“, fasst Hofmann zusammen. „Die Würde des Menschen darf nicht davon abhängen, wie groß sein Bankkonto ist. Pflege muss ein Recht sein – keine Rechnung, an der Menschen im Alter zerbrechen.“

