Lars Hofmann: Meine Persönliche Erklärung
Ich habe einen Instagram-Post mit dem Lied „Stop the Genocide“ von Dahabflex unterlegt. Dafür werde ich nun massiv angegriffen. Ich möchte deshalb auch persönlich erklären, warum ich das getan habe.
Ich habe das Lied gepostet, um mich mit der Linken Neukölln und dem Künstler solidarisch zu zeigen. Die dortige Veranstaltung und der Auftritt von Dahabflex haben eine heftige politische Auseinandersetzung ausgelöst. Ich halte es für wichtig, dass die Linke auch dann solidarisch bleibt, wenn sie für ihre Haltung zu Palästina und zur Politik der israelischen Regierung massiv unter Druck gerät.
Die Reaktionen auf die Veranstaltung zeigen einmal mehr, wie eng der Raum geworden ist, in dem palästinasolidarische Positionen in Deutschland öffentlich vertreten werden können. Palästinasolidarische Demonstrationen wurden in den vergangenen Jahren wiederholt verboten oder mit erheblichen Auflagen belegt. Auch wurden Konzerte sowie Vorträge abgesagt und schon gebuchte Räume für Veranstaltungen aufgekündigt – auch hier in Konstanz. Gerichte haben solche Einschränkungen teilweise als rechtswidrig zurückgewiesen. Selten war eine kulturelle Hegemonie deutlicher wahrnehmbar.
Das Lied „Stop the Genocide“ ist provokativ. Es ist bewusst zugespitzt und verwendet drastische politische Sprache. Ich unterschreibe nicht jede einzelne Zeile dieses Liedes. Ich stehe aber hinter der zentralen Botschaft des Liedes: Stop the Genocide. Die massenhafte Tötung von Zivilistinnen und Zivilisten, die Vertreibung der palästinensischen Bevölkerung und die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen dürfen nicht als unvermeidlicher Preis der israelischen Kriegsführung hingenommen werden.
Auch die Zeile „Death to the IDF“ ist bewusst drastisch formuliert. Ich verstehe sie im Kontext des Liedes als radikale Kritik an der israelischen Armee und ihrer militärischen Gewalt. Sie ist aber kein Aufruf, einzelne Soldat:innen zu töten. Die darauf folgende Zeile „Bald werdet ihr vor Gericht sein“ zeigt klar, dass es darum geht, die Verantwortlichen auf juristischem Weg zur Rechenschaft zu ziehen. Diese Zeile wird von den Kritiker:innen bewusst oder aus Unwissenheit nicht berücksichtigt. Ein paar Zeilen später folgt: »Millionen Menschen vertrieben / Deshalb fordern wir Frieden.« Wie gesagt, niemand muss mit dem Stil oder der Wortwahl vollkommen übereinstimmen, aber wir alle müssen die politisch intendierte Verzerrung in den Medien erkennen und anprangern. Und das war auch ein Motiv, das Lied aufzugreifen.
Für mich ist der politische Kontext entscheidend. Dahabflex ist ein kurdischer Künstler, der sich mit der palästinensischen Bevölkerung solidarisiert. In Gaza wurden und werden schwerste Verbrechen begangen, während Deutschland Israel politisch und militärisch unterstützt und über Jahre auch Rüstungsgüter geliefert hat. In diesem Kontext muss Kritik – auch scharfe Kritik – an der Politik der israelischen Regierung und am Vorgehen der israelischen Armee möglich sein. Ja, sie erscheint mir notwendig! Wer Kritik an der Politik Israels grundsätzlich mit Antisemitismus gleichsetzt, verhindert eine notwendige Auseinandersetzung mit den Menschenrechtsverletzungen, die in Gaza geschehen.
Ich lehne Antisemitismus entschieden ab. Er ist ein realer und gefährlicher Bestandteil unserer Gesellschaft und muss entschieden bekämpft werden. Gerade deshalb ist es wichtig, den Antisemitismusvorwurf nicht inflationär zu gebrauchen. Israel ist ein Staat, Jüdinnen und Juden sind Menschen. Beides gleichzusetzen, ist falsch und gefährlich. Kritik an der Politik Israels ist nicht automatisch antisemitisch – und der Antisemitismusvorwurf darf nicht dazu dienen, eine solche Kritik zum Schweigen zu bringen.
Ich habe den Song gepostet, weil ich angesichts der Situation in Gaza, der deutschen Unterstützung für Israel und der zunehmenden Repression gegen palästinasolidarische Stimmen ein Zeichen der Solidarität setzen wollte.
Dazu stehe ich.

