Wer kann das noch Verteidigung nennen?
Lars Rede von der Mahnwache gegen die Festsetzung der Flottille.
Wir stehen heute nicht hier, weil es jetzt Menschen aus westlichen Staaten sind, die angegriffen werden. Wir stehen regelmäßig hier – das wisst ihr – weil Menschen getötet und das internationale Recht mir Füßen getreten wird. Seit fast zwei Jahren fallen fast täglich Bomben auf Menschen, auf Schulen und Krankenhäuser. Eine Landschaft, eine Heimat, eine Geschichte wird zur Ruine, in der nur noch Tote hausen können. Wir haben uns daran gewöhnt, dass Kinder auf offener Straße hingerichtet werden, dass Sanitäter*innen erschossen werden, dass Menschen willentlich an Hunger sterben. Der ewige Malstrom an Bildern der Opfer israelischer Bomben und Kugeln, die wir täglich aufs Neue sehen können, lässt uns an der Menschheit zweifeln: Das Gefühl der Ohnmacht, der Hilflosigkeit gegenüber all der Gräuel, lässt uns hoffnungslos zurück. So kann es nicht weitergehen!
Heute stehen wir hier, weil es die Internationale Solidarität ist, die mit Füßen getreten wird. Und diese Internationale Solidarität ist das einzige Mittel, dass wir angesichts des Schweigens unserer Regierung haben. Wir stehen heute hier, um unsere Unterstützung zu zeigen, die die Bundesregierung einmal mehr verweigert.
Wir sind hier, um gegen die Festsetzung der Flotilla und die Entführung ihrer Besatzungen zu demonstrieren. Menschen, Zivilist*innen aus verschiedenen Ländern, haben sich zusammengefunden, um Hilfsgüter nach Gaza zu bringen. Das ist ihr Verbrechen in der Lesart Israels. Wir alle wollen heute unsere Solidarität mit ihnen zu zeigen! Danke für euren Mut! Es ist ein Zeichen von Hoffnung, das die Flotilla sendet, nicht nur an die darbende Bevölkerung Gazas, sondern auch an uns, dass wir endlich den Mut finden, aufzustehen. Politik und Medien werden sich nicht von allein bewegen, es braucht den Druck von der Straße, auf dass sie nicht mehr weg sehen können.
Dass das israelische Vorgehen illegal ist, darin bestehen keine Zweifel: Israel hat die Schiffe auf dem offenen Meer gekapert. Aber es ist mehr als das: Schwer bewaffnete Militäreinheiten entern nachts zivile Schiffe, um sie davon abzuhalten, Nahrung, Medikamente und Hygieneprodukte an eine ausgehungerte Bevölkerung zu liefern. Allein das ist ein Verbrechen an der Menschlichkeit! Welchem Zweck kann es dienen, außer die katastrophalen Zustände, das menschengemachte Elend, aufrechtzuerhalten und immer neue Opfer zu fordern? Welche Regierung hat Angst vor Essen? Diese Bilder gehen um die Welt und zeigen einmal mehr, dass Israel jedes Mittel recht scheint, menschliches Leid zu potenzieren. Wer kann das noch Verteidigung nennen?
Nun werden abermals Zivilist*innen verschiedener Nationen von Israel widerrechtlich festgehalten. Andere Regierungen protestieren - und die deutsche Regierung? Sie tut das, was sie seit zwei Jahren geübt hat: Die Verbrechen der israelischen Regierung verschweigen. Aber auch das ändert nichts! Mögen die Politiker*innen ablenken, die öffentlich rechtlichen Medien nur noch Kochsendungen zeigen und die Springerpresse weiter ihre offenen Lügen verbreiten: Die Wahrheit lässt sich nicht mehr unterdrücken.
Und wenn sie die Hilfsschiffe kapern, kapern wir die Straßen!
Nach einer langen Zeit des Schweigens, des Wegsehens und der naiven Hoffnung scheint sich nunmehr das Blatt gewendet zu haben: der Widerstand wächst und er ist international!
Kolumbien weist israelische Diplomat*innen aus und kündigt das Freihandelsabkommen auf. Italienische Gewerkschaften rufen zum Generalstreik auf. Spontane Demos in Griechenland, in der Türkei, in Belgien, Spanien und Frankreich. Zahlreiche Blockaden von Bahnhöfen und Häfen! Selbst in Deutschland wagen es die Menschen, laut ihren Protest zu äußern.
Wir fordern: dieser Völkermord muss endlich enden. Die deutschen Waffenlieferungen müssen endlich endlich enden. Die Straflosigkeit Israels muss endlich enden! Das Leid der palästinensischen Bevölkerung muss endlich enden!
Das fordern wir hier in Konstanz, und zugleich zahlreiche Menschen in Ravensburg, und überall in diesem Land. Heute, morgen und an jedem weiteren Tag dieses Unrechts.
Schön, dass ihr hier seit! Bleibt laut, bleibt kämpferisch!
Hoch die Internationale Solidarität!

