Die Gäubahn muss bleiben!
Stellungnahme von Lars Hofmann, Direktkandidat zur Landtagswahl in Konstanz, zur Zukunft der Gäubahn
Die Gäubahn ist weit mehr als eine regionale Bahnstrecke. Sie ist eine zentrale Lebensader für den gesamten südlichen Landesteil, für Pendlerinnen und Pendler, für Studierende, für den Wirtschaftsstandort Bodensee und für den internationalen Bahnverkehr Richtung Schweiz. Wer es mit gleichwertigen Lebensverhältnissen, mit Klimaschutz und mit einer ernsthaften Verkehrswende ernst meint, darf die Gäubahn nicht länger stiefmütterlich behandeln.
Durch das Projekt Stuttgart 21 droht der Gäubahn eine jahrelange Abkopplung vom Stuttgarter Hauptbahnhof. Statt einer direkten Verbindung soll die Strecke mindestens bis in die 2030er Jahre in Stuttgart-Vaihingen enden – mit Umstieg in die ohnehin überlastete S-Bahn. Für die Menschen in der Region Konstanz, im Hegau und im Kreis Rottweil bedeutet das längere Reisezeiten, mehr Umstiege und eine deutlich höhere Störanfälligkeit. Das ist ein massiver Rückschritt und steht im klaren Widerspruch zu allen verkehrs- und klimapolitischen Zielen des Landes.
Besonders problematisch ist, dass diese Verschlechterung nicht das Ergebnis unvermeidbarer Sachzwänge ist, sondern die direkte Folge politischer Entscheidungen. Anstatt bestehende, funktionierende Infrastruktur zu erhalten und auszubauen, wird sie zugunsten eines Großprojekts geopfert, dessen Nutzen seit Jahren umstritten ist. Die geplante Lösung – der sogenannte Pfaffensteigtunnel – ist kein Zukunftsprojekt, sondern ein milliardenteures Reparaturvorhaben für selbst verursachte Probleme. Dieses Geld fehlt dann dort, wo es dringend gebraucht würde: beim durchgehenden zweigleisigen Ausbau der Gäubahn, bei der Elektrifizierung von Strecken und bei der Verbesserung der Zuverlässigkeit im Alltag.
Für die Region Konstanz ist die Gäubahn ein entscheidender Standortfaktor. Viele Menschen sind auf eine verlässliche Schienenanbindung nach Stuttgart angewiesen – sei es für Arbeit, Ausbildung oder internationale Verbindungen. Eine dauerhafte Schwächung dieser Achse würde die strukturellen Nachteile des ländlichen Raums weiter verschärfen und den Umstieg vom Auto auf die Bahn unattraktiver machen. Das können und dürfen wir uns angesichts der Klimakrise nicht leisten.
Ich setze mich deshalb klar für den Erhalt der direkten Anbindung der Gäubahn an den Stuttgarter Hauptbahnhof ein. Notwendig ist ein Kurswechsel in der Bahnpolitik: weg von Prestigeprojekten, hin zu einer am Gemeinwohl orientierten Infrastrukturpolitik. Dazu gehört, bestehende Strecken zu sichern, Kapazitäten auszubauen und Entscheidungen transparent sowie unter neuen verkehrlichen und finanziellen Rahmenbedingungen zu überprüfen.
Die Menschen am Bodensee und entlang der Gäubahn haben Anspruch auf eine leistungsfähige, zuverlässige und klimafreundliche Bahnverbindung. Dafür will ich mich im Landtag einsetzen.

