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Fall Takeda: Umdenken dringend gefragt |
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Donnerstag, 26. Januar 2012 |

Rund 2000 Leute haben am 24. Januar in Konstanz demonstriert, um gegen die Kahlschlag-Pläne des Takeda-Konzerns zu protestieren. Das ist erst einmal natürlich ein gutes Zeichen. Es zeigt, dass man vielen Menschen, trotz jahrzehntelangen politischen und medialen Trommelns für die Entfesselung der Märkte, die angeblich alternativlos sei, den Gedanken der Solidarität nicht austreiben konnte.
Seltsam nur, dass auf der Abschlusskundgebung mehrheitlich Honoratioren das Wort ergriffen haben, die allesamt Parteien angehören, die - in unterschiedlichen Regierungskonstellationen - auf Landes- und Bundesebene überhaupt erst dafür gesorgt haben, dass so genannte Finanzinvestoren sich mit solch dubiosen Geschäften dumm und dämlich verdienen können. Wenn bekennende Kapitalismusfans wie Horst Frank (Oberbürgermeister, Grüne), Frank Hämmerle (Landrat, CDU) und Rainer Stickelberger (Justizminister, SPD) den Betroffenen in unterschiedlichen Tonlagen ihre Unterstützung andienen, hat das jedenfalls mehr als nur einen Hauch von Heuchelei.
Als fragwürdig muss aber auch das Motto bezeichnet werden, unter dem die Organisatoren der Demonstration, die Gewerkschaft IGBCE und der Betriebsrat der Firma, zu der Protestaktion aufgerufen haben. "Takeda braucht Konstanz" hieß es im Einladungsflugblatt. Wie bitte? Das ist angesichts der von der Konzernleitung geschaffenen Fakten ja geradezu grotesk. Die Führung des international agierenden Pharmaunternehmens braucht Profite, möglichst schnell und möglichst hoch, damit sich die Einkaufstour am Ende gelohnt hat. Wenn schon, dann hätte nach den hier über Jahrzehnte gültigen wirtschaftspolitischen Maximen, Konstanz Takeda gebraucht - aber Pustekuchen, da zeigte sich wieder mal, dass der Schwanz eben selten mit dem Hund wackelt. Die Notwendigkeit der Gewinnsteigerung rechtfertigt in der Logik der beteiligten Geschäftemacher Kollateralschäden allemal, what the fuck is Konstanz.
Die Fälle Nycomed (minus 800 Arbeitsplätze) und Takeda (minus 710 Arbeitsplätze) sind vor allem auch die Bankrotterklärung einer städtischen Wirtschaftsförderungspolitik, die sich ohne wenn und aber Großunternehmen ausliefert. Jetzt haben nicht nur hunderte Beschäftigte ihre Existenz verloren; es rächt sich auch, dass Verwaltung und Gemeinderatsmehrheit über Jahre versäumt haben, wirtschaftspolitische Alternativen zu entwickeln. Es ist jetzt höchste Zeit umzusteuern. Der kalten Kapitallogik müssen andere Konzepte entgegengesetzt werden. Kommunale Wirtschaftsförderung muss sich auf kleinere und mittlere Betriebe konzentrieren, sie muss Genossenschaften fördern, sie muss über Unternehmungen in städtischer Regie nachdenken. Nur so kann eine verantwortungsvolle Kommunalpolitik der Falle kapitalistischer Konzernlogik entgehen.
Jürgen Geiger
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Letzte Aktualisierung ( Montag, 06. Februar 2012 )
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