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| Krise trifft Frauen besonders hart |
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| Mittwoch, 30. Dezember 2009 | |
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Analyse der Ist-Situation: • Frauen arbeiten überproportional in prekären Arbeitsverhältnissen 70% der geringfügig Beschäftigten sind Frauenberuf 17,4% aller abhängig Beschäftigten arbeiten in befristeten Verhältnissen jeder fünfte ehemals Erwerbstätige gleitet ohne Zwischenstop direkt ins ALG II • Frauen erhalten in Deutschland Durchschnittlich 23% weniger Lohn als männliche Kollegen für gleichwertige Arbeit (EU Durchschnitt: 17%, Italien 4,4%, Frankreich 15,8%) • 14% der in Vollzeit beschäftigten Frauen mit abgeschlossener Berufsausbildung erhalten weniger als 900 € Nettolohn (im Vergleich: 4% der Männer) • 25% der Akademikerinnen erhalten mehr als 2600 € Nettoeinkommen (im Vergleich: 59% der männlichen Kollegen), Führungspositionen sind nur zu 22% mit Frauen besetzt (BaWü unter Bundesdurchschnitt) • 68% der Mütter mit Kindern unter 18 Jahren sind erwerbstätig. Davon 77% in Teilzeit, bei Männern sind es 95% davon 3% in Teilzeit. • Frauen erhalten im Schnitt 61% der gesetzlichen Rente der Männer. Die Hälfte der Frauenrenten liegt unter dem Grundsicherungsniveau von 650 €, der größte Teil der Arbeit lieg im unbezahlten Sektor Analyse des Koalitionsvertrags: • Für Mittellose wird sich die Situation weiter verschlechtern. Der Zugang zum 1. Arbeitsmarkt bleibt weiter verschlossen. Das Risiko der Altersarmut und fehlender gesellschaftlicher Teilhabe bleibt bestehen. In dieser Gruppe spielt das Geschlecht als Risikofaktor eine untergeordnete Rolle. • Beschäftigte: Trotz der Forderung „Mehr Netto vom Brutto“ wird sich in diesem Bereich wenig ändern, da Geringverdienende kaum Steuern zahlen. Da mit höheren Sozialausgaben zu rechnen ist, bleibt vermutlich sogar weniger „netto“ –→ Besitzstandspolitik. Frauenförderung oder Gleichstellungsarbeit wird dort vorgenommen, wo es aus Sicht der Wirtschaft für sinnvoll erachtet wird (Fachkräftemangel). Ansonsten wird besonderes Augenmerk auf ehrenamtliches Engagement, sogenannte Bürgerarbeit (Erziehung, Pflege etc.) gelegt. • Besitzende können mit Steuersenkungen zu rechnen. Außerdem werden die Arbeitgeber-Sozialbeiträge eingefroren. • Außerdem: Erhöhung der 400 €-Grenze: weniger sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze, Lockerung des Kündigungsschutzes. Bürgerarbeit/Ehrenamt soll insbesondere für Frauen eine Option zur bezahlten Arbeit darstellen (Arbeitsplatzverluste besonders im Bereich der Pflege zu erwarten + Rolle der Frau im tradiert patriachalen Familienbild) Einführung der Herdprämie: Eltern die keinen Betreuungsplatz für ihre Kinder in Anspruch nehmen, erhalten 150 € zusätzliches Betreuungsgeld. Im Bereich der Gleichstellung gibt es Absichtserklärungen, die vermutlich konsequenzlos bleiben. • Keine Quotierung von Führungspositionen. • Keine Konzepte zur Wiedereingliederung ins Berufsleben nach Schwangerschaft/Erziehungsurlaub. • Keine Konzepte zur Forderung nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit. • Kein Mindestlohn, der prekäre Beschäftigung verhindert und typische Frauenberufe aufwerten würde. • Im Bereich der Rente soll es Verbesserungen in der Anrechnung der Erziehungsjahre geben. Gleichzeitig setzt man auf private und betriebliche Altersvorsorge. Doch gerade in Bereichen in denen vorwiegend Frauen tätig sind, gibt es keine betriebliche Vorsorge; Gelder für private Vorsorge fehlen zumeist – Altersarmut. Die Regierung setzt den Ausstieg aus der paritätischen staatlichen Gesundheits- und Pflegeversicherung fort. Kopfpauschale für alle; Arbeitgeberbetrag soll auf 7% eingefroren werden. Beitragserhöhungen sollen ausschließlich von Arbeitnehmern gezahlt werden. Nur Basisleistungen sollen von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen werden. Diskussion zu: „Ist die Krise männlich?“ (http://dgbdebatte.blogspot.com) In diesem Komplex wurden verschiedene Indikatoren für eine männliche Krise gefunden. Derzeit sind insbesondere Berufe der Leiharbeits- und Baubranche betroffen. Auch die Exportbranche leidet massiv. In diesen Berufsfeldern sind/waren vorwiegend Männer beschäftigt, die derzeit eine größere Betroffenheit verspüren. Auch der Dienstleistungssektor wird in Mitleidenschaft gezogen. Hier wird die Arbeitslosigkeit in erster Linie Frauen treffen. Insbesondere der Dienstleistungssektor findet im gesellschaftlichen Diskurs wenig Aufmerksamkeit. So stieß die Opel-Rettung auf breite Sympathien in der Gesellschaft obwohl man realistisch konstatieren muss, dass die Autobranche nicht zukunftsträchtig ist. Gleichzeitig spricht niemand von der größten Pleite in der Geschichte der Bundesrepublik: Quelle; hier werden vorwiegend Frauen von der Arbeitslosigkeit betroffen sein. Daraus ergab sich für uns folgende Konsequenz: Die Krise selbst ist weder männlich noch weiblich, lediglich die Reaktion und der Umgang mit der Krise wird patriarchal gehandhabt. Anmerkung: „Geschlechterdimension der Krise: „Diese bezieht sich nicht auf die Individuen, sondern auf das Produktions- und Wirtschaftsmodell, das in vielfältiger Weise auf männlichen Werten beruht und insbesondere im Finanzsektor fröhliche Urstände feierte. Werte wie Konkurrenz und Dominanz, sowie der Glaube an ein unbegrenztes, letztlich imaginäres Wachstum erscheint nicht nur Feministinnen einer tief verankerten Männlichkeitsstruktur entsprungen.“ Claudia Menne |
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